Spieletest:Test Drive Ferrari Racing Legends - Ein weiter Weg bis zur Legende

Bigben Interactive und Slightly Mad Studios steuern mit Test Drive Ferrari Racing Legends das nächste Kapital in der beachtlichen Reihe von Ferrari-Rennspielen bei. Ob das Spiel dem Ruf seines großen Lizenzgebers gerecht werden kann, lest ihr hier.

Spieletest:Test Drive Ferrari Racing Legends - Ein weiter Weg bis zur LegendeSpieletest:Test Drive Ferrari Racing Legends - Ein weiter Weg bis zur Legende  ZoomTest Drive Ferrari Racing LegendsAlle BilderOfficial TrailerIn den 1940er Jahren aus dem Motorsport erwachsen ist die Sportwagenschmiede Ferrari bis heute für viele der Inbegriff für italienische Sportwagen. Seit mehr als 60 Jahren werden in Maranello und Modena Sportwagen und Supersportwagen gefertigt die ihre Verehrer in Italien und auf dem gesamten Globus finden. Auch in der virtuellen Welt kann die Marke mit dem Cavallino Rampante auf eine wahrhaft beachtliche Tradition zurückblicken. Die Ferrari-Lizenz ist verständlicherweise nicht nur bei den bekannten Serien-Hits ein begehrtes Gut, sondern bringt in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen auch immer wieder exklusive Ferrari-Games hervor.

Angefangen hat es mit SEGAs unvergessenen F355 Challenge. Im Jahr 2008 versuchte sich Eutechnyx mit seinem Ferrari Challenge recht erfolgreich an einer Neuinterpretation des Themas und mit der auf netKar PRO basierenden Ferrari Virtual Academy gab es zuletzt sogar einen echten Hardcore-Simulator für die Fans der italienischen Sportwagen. Und nun kommt also Test Drive Ferrari Racing Legends, ein Spiel, dessen Entwicklung schon vor recht langer Zeit bei Slightly Mad Studios unter dem Arbeitstitel Ferrari Project begonnen wurde und sich aufgrund mangelnden Publisherinteresses mehrfach verzögert hatte. Seit dem 06. Juli aber steht der Titel nun zumindest für die Konsolen Xbox 360 und PlayStation 3 im Handel. Eine entsprechende PC-Version ist nach wie vor in der Mache und wird wohl im September den Markt erreichen.

Der Name ist Programm

Wenn man einhundert Racing-Fans die Frage stellt, was für sie unabdingbar zu einem guten Rennspiel dazu gehört, dann werden zwei Schlagworte mit großer Wahrscheinlichkeit öfter fallen: interessante, außergewöhnliche Fahrzeuge und bekannte und besondere Rennstrecken. Nun, mit nicht weniger als 51 originalgetreuen Ferrari-Modellen aus der gesamten Firmenhistorie und 39 weltbekannten Rennstrecken kann Test Drive Ferrari Racing Legends diese beiden Bedingungen rein nominell schon einmal mit Leichtigkeit erfüllen. Der virtuelle Fuhrpark deckt eine große Breite an Fahrzeugtypen ab, sündhaft teure Sammlerstücke aus längst vergangenen Motorsporttagen sind genauso mit am Start wie moderne Straßenflundern.

Reise durch die Zeit

Der große Sir Jackie Stewart soll einmal gesagt haben: "I never did a lap of the Nürburgring that I didn't have to do." Ein Zitat das sehr schön den Geist und die Gefahren früherer Formel-1-Tage auf den Punkt bringt. Vor gar nicht allzu langer Zeit waren Rennstrecken nicht viel mehr als bessere Landstraßen und von weitläufigen Auslaufzonen, asphaltierten Notausgängen, Fangzäunen und zusammengenähten Reifenstapelpaketen keine Spur und genau aus dieser verrückten Motorsportära kann Test Drive Ferrari Racing Legends die eine oder andere Anekdote erzählen. Ob Rouen-les-Essarts, Silverstone, Nürburgring oder Spa-Franchoshamps, in der Streckenauswahl finden sich einige der klangvollsten Namen des damaligen und heutigen Motorsports.

Spieletest:Test Drive Ferrari Racing Legends - Ein weiter Weg bis zur LegendeSpieletest:Test Drive Ferrari Racing Legends - Ein weiter Weg bis zur Legende  Zoom Auf den Spuren der legendären Sportwagen aus Maranello werdet ihr viele dieser beeindruckenden Kurse sogar mehrmals besuchen und dabei ihre Veränderungen im Laufe der Zeit miterleben. Doch es ist ein langer Weg bis zur Legende, genauer gesagt 206 Herausforderungen lang, denn so viele einzelne Rennevents haben die Macher auf 3 Epochen verteilt. Das bedeutet auf der Habenseite jede Menge Spieldauer, dagegen steht jedoch die Umsetzung im Großen und Kleinen. Die Fahraufgaben wiederholen sich leider relativ schnell und nicht selten handelt es sich dabei auch um schlicht und ergreifend hirnlose Trial-and-Error-Missionen mit völlig willkürlichen Zielvorgaben.

Weiterhin büßt der Modus viel von seinem Reiz ein, weil die Aufgaben recht lieblos aneinandergereiht wurden und lediglich von unbequemen Textsegmenten in Zusammenhang gebracht werden. Eine interaktive Erzählung der großartigen Geschichte des Hauses Ferrari hatte ich mir jedenfalls irgendwie anders vorgestellt - irgendwie interaktiver. Wer des stupiden Abspulens der Missionen müde wird hat eher schlechte Karten, denn um den gesamten Wagen- und Streckenpool für ein schnelles Rennen oder den Phantom-Zeitlauf, was frei übersetzt so viel wie Zeitfahren bedeutet, nutzen zu können, muss man sie natürlich erst einmal freischalten.

Zitterpartie?

Das Lenken ist in einem Rennspiel einer der elementarsten und wichtigsten Bestandteile und wer die Madness-Engine aus früheren Titeln von Slightly Mad Studios kennt, ahnt schon, was jetzt kommt. Ja, auch bei Test Drive Ferrari Racing Legends fällt die Lenkung wieder sehr wackelig und nervös aus. Auch wenn ihr euch darüber vielleicht schon eure eigene Meinung gebildet habt, möchte ich ein paar Zeilen dafür nutzen, um die Problematik nochmals in ihre Einzelteile zu zerlegen. Zum einen wackelt bei der Madness-Engine und damit eben auch bei Test Drive Ferrari Racing Legends die Kamera viel mehr als bei den meisten anderen Rennspielen. Das ist gewollt, schließlich wird man auf der Rennstrecke auch richtig durchgeschüttelt und das Wackeln der Kamera ahmt nur die realen Effekte nach.

Obwohl also auf diese Weise eigentlich nur Fliehkräfte sichtbar gemacht werden und damit zusätzliche Informationen über den Fahrzustand für den Fahrer bereitgestellt werden, ist man das in dieser Form, als gemeiner Rennspieler, nicht unbedingt gewohnt und weiß die Bewegungen lange Zeit schlichtweg nicht richtig zu deuten. Wenn das visuelle Feedback fehlt oder eben widersprüchliche Ergebnisse liefert fühlt sich das entsprechend schwammig an. Logisch, versucht doch einmal mit geschlossenen Augen auf einer Linie zu balancieren.

Übung mach den Meister!

Spieletest:Test Drive Ferrari Racing Legends - Ein weiter Weg bis zur LegendeSpieletest:Test Drive Ferrari Racing Legends - Ein weiter Weg bis zur Legende  Zoom So weit, so gewöhnungsbedürftig. Erschwerend kommt aber jetzt noch eine Madness‘sche Eigenheit hinzu. Die analoge Lenkung ist sehr linear, das heißt direkt eingestellt. Das ist sehr gut für Lenkräder die einen großen analogen Weg haben und die sich mit zwei Händen millimetergenau positionieren lassen. Eher schlecht funktioniert das Ganze auf einem Fingerhutgroßen Analog-Stick, den man mit nur einem Daumen relativ ungenau bewegt. Addiert man die durch die Wackelei gestörte Wahrnehmung und den sensiblen Analog-Stick, wird es ganz einfach deutlich schwerer den richtigen Lenkeinschlag für die jeweils vorherrschende Fahrsituation zu ermessen und das wirkt dann schnell sehr zickig.

Wenn man es so betrachtet, ist es also kein Fehler des Spiels, sondern schon eher die Unfähigkeit des Spielers alle Einflüsse richtig zu interpretieren, daraus den korrekten Lenkwinkel zu berechnen und diese dann an den Analog-Stick weiterzugeben - dabei beziehe ich mich persönlich natürlich mit ein. Wenn man es aus der Sicht eines zahlenden Kunden betrachtet, ist es einigermaßen ernüchternd, dass Slightly Mad offensichtlich keine bessere Controller-Abstimmung gefunden hat, denn dadurch wird das Spiel unnötig schwerer gemacht als es eigentlich sein müsste.

Das Tor zur Welt

Abseits der eintönigen Kampagne bietet euch das aktuelle Ferrari-Rennspiel vor allem die Möglichkeit Rennen online mit bis zu 8 menschlichen Akteuren austragen zu können. Dafür hat das Spiel übrigens auch eine ganz ordentliche Konfigurationsmatrix mit an Bord, die neben dem vollautomatischen Matchmaking auch private Sitzungen mit allerhand individuellen Vorgaben, das Einladen von Freunden und das Auffüllen des Fahrerfeldes mit KI-Fahrern ermöglicht - großer Wahrscheinlichkeit nach ohnehin die beste Möglichkeit die Racing Legends im Rennbetrieb zu bewegen. Zum einen, weil sich online kaum ein Mitspieler findet, zum anderen, weil direkte Duelle an einer Konsole mangels Splitcreen-Modus ebenfalls ausfallen.

Bella Machina

Dass hinter der Fassade von Test Drive Ferrari Racing Legends die Madness-Engine arbeitet habe ich jetzt schon mehrfach erwähnt, hätten die Kenner unter euch aber ohnehin sehr schnell ausgemacht. Die Verwandtschaft zu Project CARS kann man naturbedingt nur erahnen, dafür ist der Leistungsunterschied zwischen der allmählich alternden PS3 und aktueller PC-Hardware natürlich viel zu groß. Aber auch im direkten Vergleich mit den PS3-Versionen von NFS SHIFT und SHIFT 2 Unleashed zieht Test Drive Ferrari Racing Legends etwas überraschend den Kürzeren.

Spieletest:Test Drive Ferrari Racing Legends - Ein weiter Weg bis zur LegendeSpieletest:Test Drive Ferrari Racing Legends - Ein weiter Weg bis zur Legende  Zoom Vom Fortschritt der letzten eineinhalb Jahre ist wenig zu sehen. Nach wie vor kann die Engine aus mittelhohen Polygonraten sehr schicke Wagen inklusive ausmodellierter Interieurs bauen. Auch die Streckendarstellung kann mit 3D-Vegetation und 3D-Zuschauern richtig gut aussehen, was ihr aber nur in etwa der Hälfte der Fälle auch tatsächlich gelingt. Die Distanzdarstellung ist manchmal nicht ganz perfekt. Fehlerhafte Schattierungen, eine schwächelnde Texturfilterung und markantes Kantenflimmern erscheinen dabei weniger den limitierten Mitteln der nunmehr sechs Jahre alten Hardware als vielmehr mangelnder Sorgfalt oder begrenztem Aufwand bei der Entwicklung geschuldet zu sein, denn das alles sah bei SHIFT 2 schon einmal etwas besser aus.

Die opulenten Nachtschatten, mit denen der EA-Titel protzte sucht man hier mangels Nachtrennen übrigens genauso vergebens wie das ausgereifte Schadensmodell. Aber nicht alles, was hübsch und gut war, ist verschwunden. Was bleibt ist die kleinere 720er-HD-Auflösung, eine jederzeit frei rotierbare Kamera, nette Un-/Schärfeneffekte, eine stabile Framerate und ein etwas zu gut gemeinter Sephia-Effekt, der dem Intro der Rennen einen Retro-Look verpasst.

Bitter Beigeschmack

Leider müssen sich die Entwickler auch Fragen nach der Qualitätssicherung gefallen lassen, denn dass ein Konsolentitel sich aufhängt und dabei die gesamte Konsole einfriert ist schon selten und zugegeben etwas bedenklich. Aber auch wenn man fährt ist man nicht wirklich vor Bugs geschützt. Da ist die Tankanzeige, die Gott sei Dank ja eh nur Dekor ist und keinen Einfluss aufs Gameplay hat, auf einmal mitten im Rennen wieder randvoll oder bei einem wilden Abflug landet man außerhalb des modellierten Bereiches der Strecke und erlebt dabei den ultimativen Fall.

Hört, hört

Spieletest:Test Drive Ferrari Racing Legends - Ein weiter Weg bis zur LegendeSpieletest:Test Drive Ferrari Racing Legends - Ein weiter Weg bis zur Legende  Zoom Die Geräuschkulisse von Test Drive Ferrari Racing Legends macht von Anfang an auf sich aufmerksam. Empfangen werden virtuelle Ferraristi stilecht mit einer klassischen Kantate deren epische Klänge das schick geschnittene Intro begleiten und eine angenehm emotional aufgeladene Stimmung kreieren. Richtig rund geht es dann aber, wenn erst einmal der erste V8-Sauger zum Leben erweckt wird. Im Drehzahlkeller zunächst tief und stoisch grummelnd, steigern sich die in Metall gegossenen Pferdchen mit zunehmender Drehzahl in ein ungehemmtes Schreien das Richtung Begrenzer kein Ende zu kennen scheint. Die Kirsche auf den Sahne-Sound setzt dann der hervorragend umgesetzte Tunnelhall.

Soundtechnisch steht Test Drive Ferrari Racing Legends beinahe erstklassig da, auch wenn es abseits der dramatischen Hintergrundmusik Marke Orchester leider keine Möglichkeit gibt seine eigene Musik von der Festplatte einzubinden. Da hilft es dann auch nichts, wenn uns ein namenloser Renningenieur ständig aktuelle Renninfos per Funk aufs Ohr drückt, zumal er dieses nur auf Englisch tut und selbst dann wenn wir in Wagen unterwegs sind in denen es noch gar keinen Boxenfunk gab.

Fazit:

Nach einigen Stunden mit Test Drive Ferrari Racing Legends macht sich hauptsächlich Ernüchterung breit. Als virtuelles Automuseum taugt das Spiel allemal, aber für ein richtig gutes Rennspiel hat es zu wenig. Zu wenig Seele, zu banal und zu eindimensional ist das Racing auf der Strecke und zu einfach ist das Drumherum gestaltet. Vereinzelte Abstriche in der Optik, Mängel im Spielablauf und die unausgewogene auditive Präsentation sind Indizien dafür, dass hier die Entwicklungszeit der limitierende Faktor war. Schade drum, denn so ist Test Drive Ferrari Racing Legends ein bisschen so etwas wie ein altes Fotoalbum. Viele nette Erinnerungen, aber ohne jemanden, der die passenden Geschichten dazu erzählt machen die Bilder nur halb so viel Spaß.



Tags: Test Drive, Ferrari, Racing Legends, Ferrari Project, Slightly Mad Studios, review, spieletest, testbericht


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