Spieletest: BAJA - On the Egde oder Out of Control?

Mit BAJA: Edge of Control betritt ein absoluter Newcomer das rutschige Offroad-Terrain, um unter der Flagge von THQ die etablierte Konkurrenz aufzumischen, aber geht es für 2XL direkt von 0 auf 100 oder verreckt der Karren im Dreck? Unser Testbericht gibt Aufschluss.

Spieletest: BAJA - On the Egde oder Out of Control?BAJA: Edge of Control ist zwar ein komplett neues Spiel, doch seine Schöpfer sind bei Leibe keine Unbekannten. Denn im Jahr 2005 entschlossen sich einige langjährige Mitarbeiter der bekannten Rainbow Studios ihren alten Arbeitgeber zu verlassen, um ein eigenes Studio zu gründen. 2XL Games war geboren und praktischerweise heuerte das neue Team direkt bei THQ an, die zusammen mit Rainbow just das jüngste Mitglied der MX vs. ATV-Reihe mit dem Beinamen Untamed in 2008 veröffentlichten. Die Bande zwischen 2XL Games, Rainbow Studios und THQ scheinen also durchaus stark zu sein und so verwundert es eigentlich nicht, dass 2XL nun mit BAJA: Edge of Control einen weiteren Offroad-Renner auf die Beine stellt.

Auf der anderen Seite könnte man natürlich dem Verdacht erliegen, dass sich da hauseigene Konkurrenz anbahnt, was wohl kaum im Sinne aller Beteiligten wäre. Stellt sich also die Frage, ist im THQ-Portfolio und auch im Subgenre der Offroad Racing Games überhaupt genug Platz für zwei Franchises?

Baja California

Um sich von MX vs. ATV abzugrenzen, konzentriert sich BAJA: Edge of Control voll auf klassische, vierrädrige Vehikel. Damit dabei aber auch die Abwechslung nicht auf der Strecke bleibt, gibt es auch davon eine ganze Reihe unterschiedlicher Gattungen. Angefangen bei antik anmutenden aber aufgemotzten VW Käfern, über leichtgewichtige Offroad-Buggys und wahre Gelände-Klassiker, wie Jeep Wrangler und. Co, bis hin zu schweren US Trucks und hoch professionellem Offroad Racing-Gerät, das nur einen Einsatzzweck kennt.

Spieletest: BAJA - On the Egde oder Out of Control? Dieser Zweck ist die Baja 1000, das größte und bekannteste Rally Raid-Event des amerikanischen Kontinents. Die Baja 1000 führt in der Realität kreuz und quer durch den nördlichsten Bundestaat Mexikos, Baja California. Für das Spiel haben die Entwickler neun große Levels gestaltet, die im dürren, staubigen Südwesten Nordamerikas angesiedelt sind. Diese Levels sind nicht nur gigantisch groß, sondern auch noch frei erkundbar, bei den Rennevents jedoch werden natürlich Routen vorgegeben. Navigation ist hier kein Thema, zumindest nicht gewollt.

Was die Abwechslung angeht, hat 2XL das Beste daraus gemacht, was man aus hunderten Quadratkilometern Wüste und Steppe machen kann. Neben kargen, steinigen Landschaften, imposanten Hügeln und unzähligen dürren Sträuchern, gibt es auch immer wieder Farbtupfer in der Umgebung, wie etwa Flüsse, kleine Dörfer, pazifische Strände und das ein oder andere Gebäude, die die Landschaftsoptik auflockern.

Mit dem Charme einer Excel-Tabelle

Spieletest: BAJA - On the Egde oder Out of Control? Sodann sind wir startklar und bereit für eine große, denkwürdige Karriere im Sand und Matsch und steigen mit der PS3-Version als Rookie in die Baja-Szene ein. Angekommen in der Baja-Karriere gilt es, wie so oft, erstmal einen Wagen zu kaufen. Natürlich starten wir, wie immer, ganz unten und kaufen einen wenig attraktiven aufgebohrten Käfer. Aber auch mit dessen Kulleraugen werden wir dem Gelände das Fürchten lehren, denn schließlich hat ja ein gewisser Ferdinand Porsche den Motor an der Hinterachse platziert, sodass sein Gewicht für reichlich Grip sorgen sollte. Eben dieser Motor hat anfänglich übrigens lächerliche 80 brave PS, die sich aber dank diverser Tuning-Maßnahmen schon bald aufstocken lassen.

Neben diversen Tuning-Teilen gibt es außerdem die Möglichkeit tief in das Setup einzugreifen, um noch mehr Speed herauszuholen. Zuviel Zeit werdet ihr damit aber wohl nicht verbringen wollen, denn die Menüs sind optisch ungefähr so attraktiv gestaltet wie die Speisekarte in der Imbissbude um die Ecke. Natürlich ist das jetzt nur eine Marginalie und völlig unerheblich für den Spielspaß, aber einfach nur Times New Roman in Endlos-Textfeldern und verschiedenen Schriftgrößen, ohne jegliche Animationen und maximal einem Screenshot als Hintergrund auf den Bildschirm zu legen, ist irgendwie lächerlich, um nicht zu sagen eines Next-Gen-Spieles unwürdig. Man will ja auch was fürs Auge haben.

Nirwana

Spieletest: BAJA - On the Egde oder Out of Control? Also lassen wir die eingestaubten Menüs schnell hinter uns und begeben uns lieber auf die staubigen Pisten Baja Californias. Dort angekommen werden wir natürlich ordentlich durchgeschüttelt, denn die Strecken in Mexiko und Co sind nicht nur äußerst rutschig, sondern auch mindestens genauso uneben. Gerade der Einstieg mit den heckgetriebenen Käfern ist da kein Zuckerschlecken. Denn nicht nur das Heck schiebt vehement zum Kurvenausgang, sondern wird auch durch die unendlich vielen Bodenwellen permanent aus der Balance gebracht.

Diesen Effekt kann man auch durch volles aktivieren der mitgelieferten Traktionskontrolle nicht ganz ausmerzen. Und spätestens jetzt wird klar, BAJA: Edge of Control ist alles andere als ein leichtes Spiel. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einer davon ist das realistische Physikmodell, das den Wagen, der Federung sowie den Reifen zu Grunde liegt. Jede Unebenheit wirkt sich auf den Fahrzustand aus und Bedarf ebenso wie Unter- oder Übersteuern einer schnellen Korrektur. Dieses anspruchsvolle Handlingmodell allein wäre zwar kein Problem, jedoch versäumt das Spiel den Fahrer entsprechend zu unterstützen.

Nicht gefühlsecht

Spieletest: BAJA - On the Egde oder Out of Control? Das liegt zum Beispiel am minderwertigen Force Feedback-Effekt, welcher sich nur dann spürbar zu Wort meldet, wenn die Federn ohnehin schon durchschlagen und man sowieso schon jenseits von Gut und Böse unterwegs ist. Feinfühliges Ertasten des Untergrundes und entsprechendes Anpassen der Leistung beziehungsweise der Lenkbefehle verkommt so zur Hellseherei. Gleichzeitig erweist sich auch die gewählte Kameraperspektive als Störfaktor für ernsthaftes Offroad Racing. Der Blickwinkel ist nämlich relativ hoch über und weit hinter dem Wagen platziert, sodass Bodenwellen aus dieser Distanz allenfalls erahnt werden können.

Alternativ gibt es nur noch eine Stoßstangen- und Motorhauben-Perspektive, die aber die Sicht naturgemäß zu sehr durchschütteln. So wird das Fahren, erst recht bei höheren Geschwindigkeiten, zum sprichwörtlichen Ritt auf der Kanonenkugel, weil man nie einschätzen kann ob es nicht die nächste Kurve, Kuppe oder einfach nur die winzige Spurrille ist, die einen aus der Bahn wirft und in einem verheerenden Crash endet.

Schöner Schaden

Spieletest: BAJA - On the Egde oder Out of Control? Hat man so eine unsanfte Landung hinter sich, hat das natürlich auch Folgen für den fahrbaren Untersatz und zwar sowohl optische als auch spürbare. Auf der einen Seite können so ziemlich alle Anbauteile der Karosserie auf der Strecke bleiben die von außen sichtbar sind. Bevor sich die Kunststoffverkleidungen jedoch endgültig verabschieden, wackeln diese erstmal hübsch animiert. Der darunter liegende Gitterrohrrahmen verformt sich dagegen selbst bei den heftigsten Crashs nicht. Wohl aber haben Unfälle Einfluss auf die einzelnen technischen Komponenten des Wagens. So steigt mit zunehmender Zerstörung beispielsweise die Öl-Temperatur, Kühler beginnen zu rauchen, der Motor verliert an Leistung und die Bremsleistung kann in den Keller gehen.

Im direkten Zusammenhang mit dem Schadensmodell hat sich 2XL Games außerdem zwei innovative Ideen einfallen lassen. Zum einen erhaltet ihr im Verlauf eurer Karriere finanzielle Zuwendungen von Sponsoren, die dafür natürlich ihre Logos auf euren Boliden kleben dürfen. Verliert ihr aber wegen zu wilder Fahrweise unterwegs die Bauteile mit den entsprechenden Stickern, gibt es auch weniger Kohle vom Sponsor. Das zweite interessante Feature sind die Reparatur-Zonen die auf jeder Strecke eingerichtet sind. Wer sich den Luxus leisten kann einige Sekunden zu opfern hält hier kurz an und lässt den Status seiner Bordsysteme wiederherstellen. Alternativ gibt es auf den besonders langen Baja-Etappen auch die Option einen Hubschrauber per Funk zu rufen, der an der Strecke landet und euch mit Ersatzteilen versorgt.

Optische Einöde

Spieletest: BAJA - On the Egde oder Out of Control? Während umherschwirrende Helikopter oder aufgeschreckte Vorgelschwärme zu den liebevollen Detailstärken der Optik des Spiels zählen, bleibt der Gesamteindruck der Spielgrafik doch ein äußerst blasser. Zunächst einmal muss man über die Qualität der Bildwiedergabe erschrecken, denn schließlich scheint es praktisch gar kein Antialising zu geben und auch das schwache Filtering lässt die Texturen ab der Bildmitte verschwimmen. Aber auch der Detailgrad der Optik kann nicht vollends überzeugen. Zwar prahlt das Spiel in der Situation mit einer endlos scheinenden Sichtweite, doch die Qualität, was dann dort zu sehen ist, kann leider nicht mit aktuellen Konkurrenten, wie PURE oder MotorStorm, mithalten.

Die meisten Sträucher am Wegesrand sind vom Typ hässlicher Pappkamerad, richtige Bäume sind in der Wüste ohnehin selten, sodass die Umgebungen insgesamt schon ziemlich karg und bisweilen trostlos wirken. Nicht zu letzt Schuld an dieser Tatsache tragen die überwiegend unterirdischen Texturen, die manchmal derart grob aufgelöst und verschwommen gefiltert sind, dass man nur Farbverläufe aber keine Details erkennen kann und Oberflächenveredelungen a la Bump Mapping und Co fehlt nahezu gänzlich. Auch die Effekt-Ecke kann die Grafik nicht retten, denn bis auf volumetrische Schatten und Environment Maps auf den Lacken gibt es allenfalls hässlichen Partikel-Staub manchmal halbwegs hübsche, manchmal langweilige Spurrillen zu sehen.

Echte Eye-Catcher in der Umgebung, wie etwa eine vorrasende Achterbahn, Züge, ziviler Autoverkehr und Ähnliches gibt es nur sehr selten zu sehen und nicht selten geht das dann auch noch zu Lasten der Framerate, die sich leider auch nicht als besonders standfest erweist. Darüber hinaus fehlen einfach viele dieser tollen, spektakulären Features, die die aktuelle Hardwaregeneration als Zusatz mit sich gebracht hat, wie zum Beispiel eine Cockpit-Perspektive. Insgesamt sieht BAJA: Edge of Control allenfalls aus wie ein Hybride zwischen alter und aktueller Konsolengeneration.

Schlechte Abstimmung

Ein durchwachsenes Bild gibt leider auch der Klang des Spiels von sich. Auf der einen Seite knattern und bollern die unterschiedlichen Motorenarten ganz ordentlich vor sich hin. Auf der anderen Seite gibt es darüber hinaus auch nicht besonders viel zu hören. Atmosphärische Windgeräusche beispielsweise sind genauso wenig zu hören wie andere Umgebungssounds. Man fühlt sich so ein bisschen, als wenn man in einem luftleeren Raum, einem Vakuum, unterwegs wäre. Auch der rockige Soundtrack kann da nicht viel rausreißen, da die Abmischung der einzelnen Soundkanäle kein ausreichend klares Klangbild ergibt und so viele Töne zu einem unspektakulären Etwas zusammenschmelzen.

Und als wenn die Menüs optisch nicht schon sterbenslangweilig genug gewesen wären, untermalt das Game diese Abschnitte auch noch mit sanft gezupften Saiten der Akustikgitarre, was zwar irgendwo ein wenig mexikanisches Flair hineinwürfelt, auf Dauer aber so niveauvoll und unterhaltsam ist wie den ganzen Tag im Kaufhausfahrstuhl auf und ab zu fahren.

Online-Programm

In Sachen Multiplayer haben die Baja-Zocker die Qual der Wahl. Bis zu vier Kontrahenten können simultan an einer PS3 auf dem geteilten Bildschirm gegeneinander fahren. Wer noch mehr Konkurrenz sucht findet die vielleicht online. Denn schließlich unterstützt das Spiel Rennen über die Breitbandleitung mit bis zu 12 Teilnehmern. Besonderheit: Während der Wartezeit bis alle Spieler startklar und auf dem Server angekommen sind darf man sich wie im Freeride-Modus in der offenen Spielwelt austoben - zumindest solange bis man auf einer der unsichtbaren Begrenzungswände trifft.

Daneben informieren noch die üblichen Online-Ranglisten über die aktuellen Bestzeiten. Warum allerdings die Einzelspieleroption des Panorama-Modus, welcher mehrere Bildschirme unterstützt, im Mehrspieler-Menü zu finden ist, bleibt wohl auch das Geheimnis der Entwickler.

Fazit:

BAJA: Edge of Control ist kein einfaches Spiel. Nicht einfach zu spielen, schon gar nicht einfach zu meistern und auch nicht einfach zu bewerten. Mit der einen Hand spielt der Titel durch seine authentischen Inhalte, der realistischen Physik und dem Fahrzeugsetup eindeutig die Simulationskarte. Auf der anderen Seite verfolgt das Spiel eben diese Sim-Strategie nicht konsequent genug. Denn für eine echte Rallye-Simulation ist der Spielablauf mit mehreren Wagen gleichzeitig auf der Strecke viel zu hektisch und das Handling zu verrückt. Wie soll man einen Wagen bei Rennspeed auf einer Buckelpiste unter Kontrolle behalten, wenn man die Buckel wegen der deplatzieren Kamera kaum sehen und aufgrund des blassen Force Feedbacks spüren kann?

Es ist bisweilen ein schmaler Grad für Spiele zwischen hohem Anspruch und unfaireem Schwierigkeitsgrad. Bei BAJA: Edge of Control schlägt das Pendel leider zu Letzterem aus, sodass das Potenzial der leistungsstarken Physikengine ziemlich verpufft. Auch der Umstand, dass das Spiel darüber hinaus technisch seiner Zeit hinterherhinkt, macht es für den Durchschnittsspieler nicht attraktiver. BAJA: Edge of Control ist ein harter Knochen Rallye-Unterhaltung für Sim-Fans mit langer Ausdauer, die ja dieser Gamer-Gruppe ohnehin allgemein nachgesagt wird.



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